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Allgemeines:
Solange Reptilien gehalten werden, wird man sich auch mit der Zucht von Futtertieren beschäftigen. Ein beliebtes Futtertier für Reptilien sind Wanderheuschrecken. Wanderheuschrecken haben viele Vorteile im Vergleich zu anderen Futtertieren wie Grillen oder Heimchen. Wanderheuschrecken lassen sich relativ leicht und mit verhältnismäßig wenig Aufwand züchten.
In freier Natur können diese Tiere allerdings auch eine echte Plage darstellen. Ein Heuschreckenschwarm kann aus mehr als einer Milliarde Tiere bestehen. Sie können am Tag soviel fressen, wie sie schwer sind. Der wirtschaftliche Schaden in den befallenen Landstrichen kann enorm hoch sein.
Verbreitung:
Die Wanderheuschrecke ist nahezu überall auf der Welt zu finden, allerdings sind sie in Europa seltener geworden. 4 Arten von Wanderheuschrecken treten hingegen allein in Afrika auf. Die gefährlichste Art, die in Afrika jedoch lebt ist die Wüstenheuschrecke. Sie tritt von Nordafrika bis nach Indien auf.
Verwandtschaft:
Wanderheuschrecken gehören zu der Familie der Feldheuschrecken, die, wenn sie im Überfluss auftreten ganze Landstriche vernichten können.
Europäische Wanderheuschrecke Systematik
| Unterklasse: | Fluginsekten (Pterygota) |
| Ordnung: | Kurzfühlerschrecken (Caelifera) |
| Familie: | Feldheuschrecken (Acrididae) |
| Unterfamilie: | Ödlandschrecken (Oedipodinae) |
| Gattung: | Locusta Art: Locusta migratoria |
| Art: | Locusta migratoria |
| Unterart: | Europäische Wanderheuschrecke |
Wissenschaftlicher Name
Locusta migratoria
Größe und Geschlechtsmerkmale:
Die Wanderheuschrecke färbt sich je nach Temperatur und Nahrungsangebot zwischen Braun-, Grau und Gelbtönen, alles kann vorkommen.
Insbesondere die Männlichen Wanderheuschrecken färben sich im Verlauf ihres Lebens in einem leuchtenden Gelben Farbton auf Kopf und Brust.
Die Körpergröße liegt zwischen 4 und 6 cm, wobei die männlichen Tiere sind wie bei den meisten Arten etwas kleiner als die weiblichen Tiere.
Ernährung:
Zur Ernährung der Wanderheuschrecken lässt sich folgendes ausführen:
Einmal täglich sollten die Wanderheuschrecken gefüttert werden. Zum Füttern eignet sich frisches Grünfutter (optimal im Sommer) wie Löwenzahn, Spitz- und Breitwegerich, Klee und Taubnessel. Auch Salate werden gerne gefressen.
Da auch die Wanderheuschrecke auch Eiweiß beziehen muss, empfiehlt sich bei der Zucht gelegentlich Hundeflocken oder Katzentrockenfutter unterzumischen. Insbesondere die wachsenden Larven und die Zuchttiere gedeihen hierdurch erheblich besser, so dass Misserfolge bei der Zucht verringert werden können.
Extra Trinkwasser muss man diesen Tierchen nicht zur Verfügung stellen, da sie ihren Flüssigkeitsbedarf über das frische Grünfutter aufnehmen.
Haltung:
Zur Zucht eigenen sich handelsübliche Plastikterrarien, die mehr hoch als breit sein sollten und einen Deckel mit Klappmechanismus besitzen sollte.
Die Beleuchtung sollte einen 12 Stunden Tag-Nacht-Rhythmus haben, außerdem empfiehlt sich eine Heizmatte oder ein Heizkabel einzubauen. Diese sollte aber Tag und Nacht in Betrieb sein, da die Tiere eine gewisse Wärme benötigen.
Der Behälter, egal ob er als Zucht- oder Aufzuchtbecken verwendet wird, sollte folgendermaßen eingerichtet werden. Ein bis zwei ineinander gedrückte Eierverpackungen und 13 cm hohe Ablage- bzw. Schlupfbehälter. Als Bodengrund dient normale Erde.
ACHTUNG: Die Heizkabel oder Heizmatten sollten nie im Zuchtbecken angebracht werden da die Wanderheuschrecke versuchen wird diese zu fressen.
Bei der Zucht ist hauptsächlich darauf zu achten, dass die Geschlechtsverteilung in den Zuchtbehältern relativ gleichmäßig ist.
Für die Zucht empfiehlt sich etwa 10 Tage nach Beginn der Legetätigkeit (bevor die ersten Larven geschlüpft sind) den Ablagebehälter im Zuchtbecken in ein Aufzuchtbecken umzusiedeln und im Zuchtbecken einen neuen Ablagebehälter einstellen. Wann es Zeit für die Umsiedlung in ein Aufzuchtbecken ist kann man daran erkennen, dass die abgestochenen rosa Schaumsäulen anfangen Eientwicklungen zu zeigen. Allerdings lässt sich dies nur dann beobachten wenn der Ablagebehälter eine transparente Seite hat. Die Schaumhülle schützt die abgelegten Eipakete vor dem Austrocknen. Das Weibchen bohrt ihren Hinterleib in die Erde des Ablagebehälters.
Während dieser Eiablage bleibt das männliche Tier sehr oft auf dem Weibchen sitzen, damit er unmittelbar nach der Eiablage wieder mit der Kopulation beginnen kann.
Wichtig sind die ineinander gedrückten Eierkarton im Aufzuchtbecken. Sie bieten den Larven die Möglichkeiten sich zu häuten. Die erste Larve misst nur ca. 6 mm und häutet sich gleich zu Anfang auf dem Schlupfbehälter. Danach findet eine Häutung, wie bei vielen Heuschreckenarten, bis zu 6 mal statt, bis sie ihre Geschlechtsreife erreicht haben. Besonderst erwähnenswert ist das diese Wanderheuschreckenart eine der kürzesten Entwicklungszyklen von allen Arten hat. Das alleine macht sie zu einem der beliebtesten Futtertiere.
Die Eier der Wanderheuschrecke benötigen Temperaturen von 30° bis 35°C, in der Nacht können die Temperaturen auf 20°C sinken. Die Larven beginnen nach 12 - 16 Tagen zu schlüpfen. Schon nach 25 bis 30 Tagen ist eine Larve ausgewachsen. Die Geschlechtsreife erlangt sie dann nach gut einer Woche. Kaum ist sie Geschlechtsreif beginnt sie auch schon mit der Paarung und legt bereits nach nur 4 Tagen die ersten Eier.
Beachtlich ist das die Weibchen in ihrem doch sehr kurzen leben 6 - 12 Eierpakete in den Boden ablegen kann, davon enthält jedes Paket 30-40 Eier. 480 Nachkommen sind so im Leben eines einzigen Weibchens möglich.
Häutung:
Die Wanderheuschrecke häutet sich von der Larve bis zur Geschlechtsreife maximal 6 mal.
Sonstiges:
Enthält das Futter der Tiere Insektiziede, wird das Tier zwangsläufig daran sterben. Unerlässlich ist daher Grünfutter wie Salate mehrmals mit lauwarmem Wasser zu waschen.
Durch die Verfütterung von nassem oder feuchtem Futter können Hefepilze vor. Ist die Heuschrecke an einem Hefepilz erkrankt (Hefepilze vermehren sich sehr massiv), verfärben sich die Abdomen (Bauchkompartimente) rötlich-violett. Diese Heuschrecken sollten nicht unbedingt an die Terrariumbewohner verfüttert werden. Wer diese dennoch verfüttert wird den Pilz vermutlich auf das Reptil übertragen und der Kot des Reptils wird sich rötlich färben.
Milben können ebenfalls bei der Heuschreckenzucht auftreten und die Zucht erheblich stören. Milben treten bei einer zu feuchten und unhygienischen Haltung auf. Für Reptilien sind diese Milben allerdings unbedenklich. Aus den Heuschrecken sollten die Milben aber gründlichen entfernt werden, dies ist allerdings mit erheblicherem Aufwand verbunden.
Wer Wiesengras verfüttert, dem sei gesagt dass man sich Fadenwürmer (Nematoden) einfangen kann. Durch diese Würmer kann eine ganze Zucht vernichtetet werden. Auch hier stellt das keine Gefahr für die Reptilien dar.
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